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Bettina Obrecht: Isoliert
28. Januar 2009 von Leonhard Weitz
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (205 Stimmen, Durchschnitt: 3,12 von 5)
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bettina_obrecht_isoliert„Big Brother is watching you! “

Bevor man dieses Taschenbuch aufschlägt, springt einem sofort der hauptsächlich rote Umschlag ins Auge. Auf dem Cover sieht man einen senkrechten Spalt, hinter dem man das Gesicht eines Mädchens ausmachen kann. Vor dem Spalt sieht man mehrere weiß-rot gestreifte Absperrbänder. Auf einem schwarzen Rechteck, das durch einige Zahlen an eine Filmklappe erinnert, befindet sich in großen weißen Lettern der Buchtitel. Intuitiv denkt man an einen abgesperrten Bereich, vielleicht wegen eines Vorfalls, eher jedoch wegen Dreharbeiten. Dieser erste Eindruck passt perfekt zum den Inhalt des Buches, dazu gleich mehr.

Das Buch ist in einer durchschnittlichen Schriftgröße geschrieben. Auffallend ist, dass es zu Beginn jedes Kapitels zwei Überschriften gibt. Sonst gibt es keine gestalterischen Besonderheiten, wie zum Beispiel Illustrationen oder Ähnliches.

Eine realistische Geschichte , die wachrüttelt

Die sechzehnjährige Rosalia kommt aus den Sommerferien zurück und sieht am Flughafen ihrer Heimatstadt, wie die Passagiere eines anderen Flugzeugs von uniformierten Beamten abgeführt werden. Schnell wird bekannt, dass in Loco Beach, woher das Flugzeug kam, ein lebensgefährlicher Virus ausgebrochen ist. Nun müssen alle Urlauber aus diesem Gebiet für 40 Tage in ihren Wohnungen unter Quarantäne gestellt werden, um eine Epidemie zu verhindern. In den Wohnungen der Betroffenen („cases“) werden Kameras installiert und jeder kann sie nun über das Internet oder im Fernsehen live und rund um die Uhr beobachten – zum Schutze der Allgemeinheit. Denn so können Zwischenfälle schnell erkannt werden.

Bald wird klar, wer nicht „watcht“ der kann nicht mitreden. Auch Rosalia ertappt sich mehrmals dabei, dass sie den Fernseher einschaltet. Doch Rosalias Oma Helene, die im gleichen Haus wie ihre Enkelin mit ihrem Lebensgefährten Erich wohnt, treibt es noch weiter und verbringt den ganzen Tag vor dem Fernseher. Da Rosalias Eltern für die ganze Zeit auf einer Dienstreise im Urwald sind, bleibt Rosalia als Gesprächspartner nur noch Erich. Dieser wirkt jedoch sehr traurig und Rosalia befürchtet, dass mit ihm etwas nicht stimmt.

Die isolierten Menschen werden bald zum Teil zu Fernsehstars. Daher wird eine Endabstimmung festgelegt bei der ein „Gewinner“ gekürt werden soll. Vor allem ein junger Mann, der den Teenies die Köpfe verdreht und eine Frau, die gefühlte 24 Stunden am Tag tanzt, sind unter den Zuschauern sehr beliebt. Die Situation verschärft sich immer mehr – und so langsam kommen bei Rosalia Zweifel auf, ob wirklich etwas hinter den Gerüchten steht und ob das alles nicht nur eine Inszenierung ist.

Realistische Umsetzung eines ungewohnten Themas

Bettina Obrecht behält über die ganze Geschichte einen schönen, vertrauten Erzählstil bei. Außerdem finde ich „Isoliert“ von der Thematik her sehr interessant. Ich kenne kein anderes Jugendbuch, das sich auf eine so anregende Weise mit Medien und Datenschutz auseinandersetzt wie dieses. Obwohl das geschilderte Szenario nicht auf einer wahren Begebenheit basiert, wird man daran erinnert, dass wir vor allem durch diverse „Containershows“ wie „Big Brother“ oder „Dschungelcamp“ gar nicht so weit weg von so einer Situation sind. Zwischendurch erfährt man viel Wissenswertes über die Pest, die im Mittelalter in Europa herrschte. Die geschilderte Situation wirkt dabei wie eine moderne Interpretation solcher Zustände.

Trotzdem fehlt der Geschichte über weite Strecken die Spannung. Schade ist auch, dass am Ende nicht alle der noch offenen Fragen geklärt werden und eine eventuell erhoffte Wendung ausbleibt.

Fazit: Ein schön geschriebenes Jugendbuch, das sich vom Thema her auf jeden Fall zu lesen lohnt und zum Weiterdenken anregt. Es ist zur Lektüre zu empfehlen, wenn man sich über Datenschutz Gedanken macht. Dennoch kommt die Spannung, die im Klappentext angekündigt wird, zwischenzeitlich zu kurz.

Rezensent: Leonhard Weitz, Stufe 9

Über die Autorin

Bettina Obrecht wurde 1964 in Lörrach (Baden) geboren. Sie studierte Spanisch und Englisch in Heidelberg und an der Universität La Laguna, Teneriffa. Sie arbeitet als Radiomoderatorin, Übersetzerin und Jugendbuchautorin. In ihren Büchern thematisiert sie häufig Sorgen und Nöte von Kindern und entwickelt daraus genaue, ungewöhnliche und griffige Geschichten.

Verlagsangaben

Bettina Obrecht – Isoliert
Bloomsbury-Verlag
Taschenbuch
ISBN-10: 3827053331
ISBN-13: 978-3827053336
Preis: 9,90 €
Seitenanzahl: 319 Seiten
Erschienen: 9. August 2008
Meine Altersempfehlung: 12 +

Links

Weitere Informationen zum Buch auf www.berlinverlage.de


16 Kommentare  
Nora schreibt:
28. Januar 2009 um 17:00

Super Rezension!
Von mir gibts 5 Sterne!
Ich werd mir das Buch mal anschauen!

der Coolste schreibt:
28. Januar 2009 um 17:13

Hi Lenni

Deine Rezension ist meiner Meinung nach sehr gut (5*), weil du das Buch genau beschreibst, so dass man genau informiert und beraten ist. Sehr gut gefallen mir auch deine Überschriften, sie sind sehr passend und dabei ausgefallen.

Quentin

Jonathan Janke schreibt:
29. Januar 2009 um 17:50

Hey,
Leonhard Weitz, ich kann dir mit deiner Aussage nur zustimmen… von mir bekommst du 5* ;-). Besonders gut ist dir die Umschreibung der Umstände gelungen. Ich werde mir sobald es frei ist dein Buch auch einmal ansehen..

Jonathan:)

Adrian Bauz schreibt:
29. Januar 2009 um 18:03

du bist einfach ein Pro Lenni!!!

Adrian Bauz schreibt:
29. Januar 2009 um 18:05

OH!!!
mir is nur noch eine kleinigkeit aufgefallen!! vielleicht kannst du deutlich machen welche der beiden ISBN-Nummern zur Taschenbuch-Ausgabe gehört?!

Anna schreibt:
29. Januar 2009 um 20:39

hey lenni
deine rezension ist natürlich perfekt
fehlt nur noch die musik wie bei physik!
Ich find auch gut, dass du Infos zur Autorin geschrieben hast!
Sollt ich vielleicht auch machen!

Franz Romero schreibt:
29. Januar 2009 um 20:47

wow!
ne echt gut
die vielen zwischeüberschriften sind gut
das mit dem autor fand ich so gut, dass ichs mir gleich abeschaut hab
hast du eigentlich auch schonmal abgeschaut, peter?

Leonhard (Verfasser) schreibt:
29. Januar 2009 um 20:59

@ Adrian,
Die ISBN-Nummer ist beidesmal für das Taschenbuch, da es „Isoliert“ auch nur als Taschenbuch zu kaufen gibt. Es gibt zwei Arten von ISBN-Nummern: ISBN-10 und ISBN-13. Ich habe zur Sicherheit mal beide hingeschrieben.

@ Franz,
Nein, Peter.

Jonathan Janke schreibt:
29. Januar 2009 um 21:29

ich finds richtig gut…

Jonathan Janke schreibt:
29. Januar 2009 um 21:37

und welche Rezension ist natürlicher wieder Platz 1^^–> und zwar verdient!!

Barbara schreibt:
30. Januar 2009 um 22:36

Ich gebe dir alle Sterne, die man geben kann. Ich bekomme Lust, mich mal wieder näher mit dem Thema Datenschutz auseinanderzusetzen. Sind Daten überhaupt noch zu schützen seit es das Internet gibt? Wie kann man sich als einzelner dem entziehen?
An deiner Rezension finde ich gut, dass du den Ausgang der Geschichte geschickt andeutest, aber nicht vorwegnimmst. So bekommt man Lust, selber zu lesen um das Ende zu erfahren.

Hajo schreibt:
07. Februar 2009 um 12:29

Du bekommst von mir 5 Sterne, weil Deine Kritik neugierig macht auf den vollen Text. Hier werden ja interessante Themen angeschnitten, mit denen sich jeder heute auseinandersetzen muss. Sehr gute Rezension!

Kaddi schreibt:
10. Februar 2009 um 21:26

Hi Lenni,
die Rezension ist zoehmlich gut gelungen, finde ich.
das sind auf jeden fall 5 sterne!
ich finds auch gut, dass du was über die autorin geschrieben hast.
kaddi

Marcel Sieberz schreibt:
13. Februar 2009 um 21:54

Hi. Auch ich finde deine Rezension klasse. Ich gebe dir auch 5 Sterne:)! Vor allem finde ich gut, dass du Informationen für zum Beispiel die Bestellung rausgegeben hast. Oder, dass du sehr viel geschrieben hast. Von mir jedenfalls ein großes Lob.

Anna schreibt:
20. März 2009 um 21:38

hey lenni
also nochmal deine rezension ist echt richtig gut
und eine frage:
welchen beruf, vornamen und nachnamen hat unser Bundespräsident Horst Köhler?-ganz klar der Volker!
aber wenn ich dich nochmal bewerten könnte würd ich dir auf jeden fall 5* geben.

Anna schreibt:
06. Juli 2009 um 16:08

die ganzen formulierungen hier^^
„ich habs mir gleich abgeschaut“ und „ohh, mir ist noch ne kleinigkeit aufgefallen“
😉
ne aber wie schon 2 mal gesagt die rezension ist echt gut
schöne sommerferien noch

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