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Lasst euch überraschen! – Sibylle Berg
27. Dezember 2011 von Schatzmeister
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Stille Nacht, heilige Nacht? – Nicht am Bonner Theater

Die Wiederaufnahme des Weihnachtsstücks und Auftragswerks „Lasst euch überraschen!“ von Sibylle Berg

Weihnachten: Die Zeit, in der sich trotz Streitigkeiten ein gezwungenes Lächeln in die Gesichter der meisten Mitmenschen stiehlt, wenn man beieinander sitzt und die Verlegenheitsgeschenke der anderen auspackt. Während andere Familien versuchen, das Kriegsbeil über die Feiertage zu begraben, präsentieren es die Charaktere des Stücks von Sibylle Berg fröhlich grinsend als Weihnachtsgeschenk ihren Familienmitgliedern:

„Freundlichkeit ist nicht die hervorstechende Eigenschaft in unserer Familie.“

Die mittlerweile erwachsenen und erfolgreichen Kinder Lukas (Arne Lenk) und Marie (Kornelia Lüdorff)  besuchen zusammen mit ihren Partnern Lena (Maria Munkert) und Fred (Oliver Chomik) ihre Eltern (Susanne Bredehöft und Rolf Mautz). Die neue Bürgerlichkeit trifft  auf die Alt-68er Generation. Letztere hat sich mittlerweile nett eingerichtet in einer großen Villa und mit hohen Renten. Nostalgisch blicken die Eltern auf die Vergangenheit zurück, in der die frei ausgelebte Sexualität und die Suche nach sich selbst wichtiger waren, als die Erziehung der Kinder. Was bleibt sind Vorwürfe, Verbitterung und Lebenslügen.

Trotz der gegenseitigen Abneigung wird Weihnachten mit all seinen Ritualen und jeder Menge Alkohol gemeinsam ertragen. Als Ausrede für ihr Kommen dient Lukas und Marie die Hoffnung auf ein Erbe des Hauses, was auch für Intrigen und Abneigung unter den Geschwistern sorgt.

Kurzum: Für genügend Zündstoff ist gesorgt, um das Weihnachtsfest dieser Familie in ein Erlebnis für den Zuschauer zu verwandeln. Den Reiz dieses Theaterabends bestimmt hauptsächlich die Sprache. Absolut schonungslos, treffsicher und komisch werden die Fehler des jeweils anderen aufgezeigt, doch hinter all dem Sarkasmus stecken letzten Endes verletzte, nach Anerkennung suchende Menschen, was dem Stück seine Tiefe verleiht. Der Zuschauer wird nicht nur Beobachter von „Pointenmaschinen“ die für einen Lacher nach dem anderen sorgen, sondern empfindet Mitgefühl mit den Charakteren.

Auf der Bühne heißt es: Weniger ist mehr. Ein futuristisches und modernes Bühnenbild unterstreicht den Selbstwiderspruch der angepassten Hippieeltern, passt aber auch zum unromantischen Stil Bergs. Die riesigen fahrbaren Halbbögen sorgen für eine klare unverschnörkelte Linie auf der Bühne und geben ihr zugleich ständig ein neues Gesicht. Doch die eine oder andere Weihnachtsrequisite darf natürlich nicht fehlen. Überlebensgroße Christbaumkugeln sowie ein brennender Weihnachtsbaum lassen den Zuschauer nicht vergessen, welches Fest hier „gefeiert“ wird. Groteske Rituale, die seit frühester Kindheit Maries und Lukas’ ein Teil der Familie zu sein scheinen, sorgen besonders durch die Kostüme für lächelnde Gesichter.

Sibylle Berg schafft es zusammen mit den grandiosen Schauspielern trotz des verbalen Bombardements, am Ende des Stücks einen Hauch Hoffnung auf Frieden entstehen zu lassen, der letzten Endes das ist, was man von Weihnachten erwartet.

  Lydia Reisch

Termine:

So. 25.12.11 // 18:00 bis 19:40 Uhr // Kammerspiele

Sa. 07.01.12 // 19:30 bis 21:10 Uhr // Kammerspiele

Weitere Informationen unter:

http://www.theater-bonn.de


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