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Erdbeben von London – Mike Bartlett (v. C.I.)
19. November 2011 von Schatzmeister
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Well, the poor keep getting hungry and the rich keep getting fat,

Politicians change, but they’re never gonna change that.

Girl, we got the answer, it’s so easy you won’t believe.

All we gotta do is (Protest Song – Hugh Laurie)

 Celina Illies in ERDBEBEN IN LONDON von Mike Bartlett

 Wird das Leben für die weiteren Generationen auf der Erde lebenswert? Ist der Regen, der vom Himmel fällt, gesund? Wie tief hat der Schmutz sich in das Erdreich gefressen? Wird die Luft noch lange nach Nichts schmecken oder wird sie bald den Geschmack von Zerstörung annehmen?

Diese und viele andere Fragen stellen sich die Charaktere in dem politischen Drama „ERDBEBEN IN LONDON“  von Mike Bartlett zur Klimaerwärmung. Dieser großartige Politthriller feierte am Donnerstag, den 10.11.2011, seine Wiederaufnahme im Theater Bonn. Das gefeierte Theaterstück überzeugte wieder mit einzigartigen Schauspielern.

Die drei Schwestern Jasmine (Marie Munkert), Freya (Birte Schrein) und Sarah (Tatjana Pasztor) begegnen jeder dem Klimawandel auf ihre eigene Art und Weise. Die jüngste der Schwestern, Jasmine, verbringt hauptsächlich ihre Zeit mit Party, Drogen und Alkohol. Nach ihrem Unirausschmiss versucht sie, halbherzige Umweltaktionen auf die Beine zu stellen. Die Älteste, Sarah, ist eine erfolgreiche Umweltministerin. Sie kämpft für einen einheitlichen Baustopp von Flughäfen. Die Fassade der engagierten Politikerin bröckelt, als sie überlegt, zum Feind zu wechseln. Auch ihre Ehe mit Colin, einem arbeitslosen Banker, steht auf dem Spiel.

Die Dritte im Bunde ist Freya. Sie ist hochschwanger und geht  aus Angst vor der belasteten Umwelt nicht mehr vor die Tür. Sie entzieht sich immer mehr der Wirklichkeit. Freya hat Angst, dass sie ihr Kind in eine Welt setzt, die nicht mehr lebenswert ist. Als sie den merkwürdigen Jungen Peter trifft und dieser sie in ihrer Theorie unterstützt, dass ein Erdbeben in London das Ende der Zivilisation bedeutet, nimmt die Geschichte einen schrecklichen Lauf.

„ERDBEBEN IN LONDON“ ist ein Schauspiel grotesker Figuren.  Hellblonde Gestalten mit wassergefüllten Kinderwagen, aus denen sie Kinder hervor holen, die sich voller Wasser gesaugt haben. Lieder die vom Warten im Regen in einem Garten handeln oder Fragen, wie man die Welt verbessert.

Grotesk, weil das Stück  real und zu gleich unwirklich wirkt. Ein Tanz aus perfektem Schauspiel und einzigartiger Bühnentechnik. Umgeben von riesigen Leinwänden mit verstörenden Bildern, mit teilweiser psychodelischer  Musik und plötzlichem Platzregen auf der Bühne, bietet dieses Drama einen beeindruckenden Einblick in eine zerstörte Welt.

Bis zur Pause schwebt diese verzweigte und kaputte Welt an einem vorbei. Zum Ende hin wird sie jedoch immer dramatischer und gefühlvoller. Die hochschwangere Freya hält es in der Wirklichkeit nicht mehr aus und springt von einer Brücke. Als sie für zwei Stunden aus dem Koma erwacht, sieht sie ihre Tochter, die zu einem Hoffnungssymbol  des Theaterstückes wird.

Der Regisseur Johannes Lepper nutzt intensiv in „ERDBEBEN VON LONDON“ das Element Wasser. Es stellt den Fluss der Zeit dar. Er fließt immer weiter, ohne dass man ihn aufhalten kann. Der Fluss reißt alles mit sich und begräbt die Welt unter sich.

Eines Tages wird dies mit unserer Welt geschehen. Sie wird wegen der Menschen untergehen. Also lasst uns, wie Jasmine sagen,

“Don’t leave the world naked! “

Weitere Termine in den Kammerspielen:

23.11.2011 um 19.30 Uhr

30.11.2011 um 19.30 Uhr

 

EMA Bonn, Junge Kritiker, 12.11.2011, Celina Illies


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